Scrum Masterin in Zeiten von Corona

Normalerweise arbeiten wir bei ZWEIDENKER hauptsächlich in unseren schönen Büroräumen in Köln. Dort haben wir uns – nach dem ersten leckeren Kaffee – jeden Morgen um 10 Uhr als gesamtes Team am Board für unser teamübergreifendes Daily getroffen. Dort fanden unsere Scrum Reviews und Sprint Plannings statt. Und dort fanden unsere Team Retrospektiven statt. Gemeinsam und vor Ort.

Dann kam der Corona Lockdown im März. Das Büro war auf einen Schlag leer – und wir alle haben ausschließlich remote aus dem Home-Office gearbeitet. Als Softwareagentur waren wir darauf sehr gut vorbereitet und konnten diese Umstellung problemlos bewerkstelligen. Unsere Arbeitsprozesse und Kommunikationswege waren schon vorher größtenteils digitalisiert, unsere gemeinsamen Notizen und Absprachen sind Confluence* organisiert, unsere Dokumente sind in der Cloud und wir kommunizieren via Instant-Messenger-Dienst.

Viel ausprobieren und improvisieren

Was jedoch in den ersten Tagen im remote Modus hinten runtergefallen ist: der schnelle fachliche Austausch unserer Entwickler quer über den Schreibtisch, das gemeinsame teamübergreifende Daily am realen Board und die Retrospektiven, nette Gespräche an der Kaffeemaschine über das letzte Wochenende und das gemeinsame Grillen auf unserer fantastischen Terrasse.

Nach einiger Zeit hat sich das Fehlen dieser Möglichkeiten des Austausches auch im Team bemerkbar gemacht: in allen Projekten ging die Velocity nach unten und die Motivation meiner Teamkolleg*innen war spürbar gesunken. Als Reaktion darauf, habe ich zusammen mit meinen Kolleg*innen Stück für Stück remote Alternativen für unsere ursprünglichen Formate entworfen und ausprobiert.

Wir haben eine digitale Kaffeepause eingeführt und einen Slack-Channel erstellt zu dem alle ZWEIDENKER-Teammitglieder eingeladen wurden. Dort konnte jede/r kurz Bescheid geben, wenn sie/er allein mit einem Kaffee daheim vor dem PC saß und Lust auf ein virtuelles Kaffeemaschinen-Gespräch hatte.

Mit demselben Ziel haben wir auch zum Start ins Wochenende ein virtuelles Feierabendbier initiiert. Dazu haben wir uns freitags gegen 17 Uhr „getroffen“ und gemeinsam Bier oder Limo getrunken und gequatscht. Dieser Raum hat uns geholfen, auch den persönlichen Anschluss nicht zu verlieren.

Virtuelle Team Dailys

Unser teamübergreifendes Daily haben wir zuerst mit Daily-Mails oder Daily-Slack-Messages ersetzt. Damit haben wir allerdings keine gute Erfahrung gemacht. Dieses Daily-Format war eher ein Reporting an mich als Scrum Masterin – als eine Möglichkeit sich abzusprechen, sich auszutauschen und Impediments zu adressieren. Deswegen haben wir dann in einem Team ein Daily via Video Call ausprobiert. Dies ermöglichte den Austausch der Entwickler untereinander über fachliche Fragen und hat wunderbar funktioniert. Im Team Daily teilen wir das jeweilige Jira-Board**, damit alle nachverfolgen können über welche Tickets gerade gesprochen wird. Dies haben wir nach und nach für alle Teams übernommen. Das virtuelle Team Daily funktioniert bis heute sehr gut. Das tolle daran ist, dass wir so auch unsere remote arbeitenden Kollegen einbeziehen können.

Für die Übertragung unserer zweiwöchentlichen Retrospektiven in den virtuellen Raum hatte ich allerdings lange keine Idee. Wie sollte ich dieses Format anpassen, bei dem es doch gerade darum geht, gemeinsam in einem Raum zu sein und den Anderen sehen und wahrnehmen zu können. Erst im Mai – nach meiner online stattfindenden Advanced-Scrum Master Weiterbildung bei it-agile – hatte ich eine Blaupause, die ich ausprobieren konnte. Für die Weiterbildung haben wir das digitale Whiteboard Miro genutzt und dieses nutze ich bis heute für die Retrospektiven. Damit kann ich den Ablauf der Retrospektive für alle sichtbar machen, jede/r kann Post-its erstellen und bearbeiten und alles was wir uns während der Retrospektive erarbeiten, ist für alle Teilnehmer*innen sichtbar.
(Neulich habe ich erfreut festgestellt, dass auch meine Lieblingsquelle für Retrospektiven der Retromat mehr und mehr Vorschläge für virtuelle Retrospektiven einbezieht.)

Sobald es wieder möglich war, haben wir uns im Freien für ein gemeinsames Pizzaessen bei Bier und Wikingerschach getroffen. Oder auf unserer schönen Terrasse gemeinsam gefrühstückt – mit Abstand natürlich!

Fazit

Jetzt arbeiten wir halb im Home-Office, halb gemeinsam im Büro. Wir organisieren uns über einen Chat-Channel, so dass für alle klar ersichtlich ist, wer und welches Team an welchen Tagen im Büro ist. Wir treffen uns regelmäßig für die Retrospektiven wieder im Büro. Langsam nähern wir uns der Pre-Corona-Situation – gleichzeitig merke ich, dass hier und da noch etwas fehlt für das Teamgefühl. Das heißt ich bin weiter auf der Suche nach Corona tauglichen oder virtuellen Formaten, die unseren fachlichen und informellen Austausch fördern und uns als Team zusammenhalten.

Julia | Scrum Masterin bei ZWEIDENKER


*Confluence:
Mit Confluence von Atlassian organisieren wir Notizen und Absprachen, so dass diese für alle Berechtigten jederzeit zugänglich sind.

**Jira-Board: Mit Jira von Atlassian organisieren wir unsere Tickets/Tasks und User Stories auf Scrum oder Kanban Boards zum gemeinsamen arbeiten.

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Tags: Corona, Digitale Kaffeepause, Digitale Zusammenarbeit, Home-Office
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